Münster. Der orangefarbene Plastikwecker ist übrig geblieben, hat die Zeiten seit den siebziger Jahren überdauert. Vielleicht, weil Studenten auch damals schon den
Ruf hatten, Langschläfer zu sein, und der Wecker womöglich nicht allzu häufig gefordert war.
Für seine Leihgeberin ist er das Erinnerungsstück an ihr Studium schlechthin – und ab heute ist er sogar Teil einer Ausstellung im Foyer des Fürstenberghauses. Studierende des Studiengangs Kultur-
und Sozialanthropologie haben ehemalige Studenten der Universität Münster um persönliche Erinnerungsstücke ans Studium für ein solches „Musée Sentimental“ gebeten – und überaus reich geerntet. 50
Objekte erzählen vom Kampf mit Lernstoff, Schreibmaschine und Computer, von der ersten eigenen Wohnung, von Liebe in Zeiten des Studiums, von fahrbaren Untersätzen oder bierseligen
Begleiterscheinungen des Studentenlebens.
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Erinnerungsstücke an die Studentenzeit
Projektleiter Dr. Martin Wörner war „überrascht“ von der großen Resonanz des Aufrufs im Sommersemester. Die ältesten Stücke der Sammlung sind an die 40 Jahre alt, wie Bierkrug und Liederbuch der
Studentenverbindung des früheren Medizinstudenten Volker Bettin.
Die Windschutzscheibe mit WWU-Aufkleber des Käfers Baujahr 1957 erzählt von fernen Zeiten des Studentenalltags in den 70ern.
Es gibt eine Fotosammlung aus dem ehemals besetzten Haus an der Frauenstraße 24, die 1981 dem damaligen Haussprecher zum Abschied geschenkt wurde, oder die elektrische Espresso-Kanne Modell „Bon
appetit“, die Bertolt Gießmann getreulich durch sein Studium begleitete und selbst dann nicht kaputt ging, als sie von einem Italiener auf die Herdplatte gestellt wurde.
Und dann ist das noch unscheinbare weiß-rot bedruckte Kärtchen mit kleinen Bleistiftmarkierungen, das Studenten in den 80er Jahren gern auf die Palme brachte. Mit den EDV-Kärtchen wurde Mausy, der
Steinzeit-Computer der Unibibliothek, gefüttert.
Erinnerungen über Erinnerungen, die alle ehemaligen und auch aktuellen Studenten auf eine sentimentale Reise mitnehmen – und so manchen veranlassen, vielleicht nach eigenen Studienerinnerungen zu
kramen. „Musée Sentimental“ ist bis 4. November im Fürstenberghaus, Domplatz 20-22 zu sehen.