Objekte
Hier zeigen wir einige der ausgestellten Objekte.
"Ich habe als Student 1970 einen VW-Käfer Bj. 1957 für 200.- DM gekauft und jahrelang gefahren. Da ich mich von diesem Käfer nicht trennen wollte, habe ich ihn später in einer Scheune untergestellt und nach über 25 Jahren wieder herausgeholt. Mittlerweise habe ich den VW restauriert und wieder zugelassen. An der Frontscheibe trägt er noch die Parkplakette des Instituts für Sportmedizin, wo ich seinerzeit studentische Hilfskraft war."
"In den siebziger Jahren kaufte ich mir ein Rennrad in der ausgefallenen Farbe pink-metallic.
Als ich 1980 das Physik Studium in Münster begann, musste es natürlich mit.
In meinem Studentenzimmer im Kuhviertel stellte ich es zum Erstaunen meiner Kollegen auf den Schrank. Es sollte ja nur bei schönem Wetter für sportliche Touren durchs Münsterland genutzt werden. Auch
bei unzähligen Reisen in den Semesterferien war es dabei. Das Rad bestand ja nur aus einem leichten Rahmen und zwei Rädern und konnte leicht in seine Einzelteile zerlegt werden. So passte es dann auf
die Rückbank im VW-Käfer. Besonders gerne erinnere ich mich an die Semesterferien 1984 und die Radtouren durch die französichen Seealpen mit meiner damaligen Freundin.
Das Rad existiert noch immer, sieht noch fast genauso aus und wird noch regelmäßig gefahren."
„Im Herbst 1975 begann ich das Studium der Rechtswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Durch Zufall wurde ich auf eine Sportart aufmerksam, die so hauptsächlich nur
in Münster auf der Sentruper Höhe gespielt wird: Speckbrett.
Aus dieser Zeit habe ich den ausgestellten Schläger aufbewahrt. Er ist - neben dem Studienbuch - wohl der einzig verbliebene Gegenstand aus dieser Zeit. Diese Sport- und Freizeitgestaltung war
willkommene Abwechslung zum Studium. Ich verbinde damit auch die Gedanken an eine schöne, mit wenig Sorgen verbundene Studienzeit, die mir andererseits die Verwirklichung meines Lebenswunsches, als
Rechtsanwalt tätig werden zu können, ermöglicht hat."
"Mein oranger Wecker begleitete mich durch mein Studium an der WWU in den 70er Jahren. Egal, wie kurz die Nächte auch waren – nach langen Abenden im „Blauen Haus“ oder in der „Cavete“, unermüdlichen Diskussionen in den WGs der Kommilitonen, spätem halben Hahn im „Nordstern“ oder nächtlichem Brüten über Paragraphen – mein Wecker ließ mich nie im Stich. Mit ihm ging ich stets aufgeweckt durchs Studium."
Konzertandenken
Volkskundestudent Frederik ging im Herbst 2007 mit einem seiner besten Freunde auf ein Konzert der „Hot Stewards" ins Gogo. Trotz Bier für nur
einen Euro waren insgesamt (inklusive Personal) rund zehn Leute im Publikum - mit der Band waren also lediglich 18 Personen anwesend. Dennoch entstand eine unglaublich tolle Stimmung, die in
diversen Polonäsen, ins Publikum geschleuderte Merchandise-Strings und spontane Karaoke-Aktionen mündete.
Irgendwann warf der Schlagzeuger seinen zerbrochenen Stick ins Publikum, der erst mehrere Minuten auf dem Boden lag und dann von Frederik während einer Polonäse aufgehoben und eingesteckt wurde.
Dieses Konzert war zwar für ihn nicht das tollste und actionreichste, das er bislang während seines Studiums in Münster erlebt hat, es steht aber exemplarisch für ein neu entdecktes
Lebensgefühl: „Das Exponat steht dabei für dieses Gefühl der absoluten Freiheit, die ich erst während des Studiums kennen gelernt habe, und für die Selbstbestimmung, die ich erst in Münster
wirklich wahrgenommen habe."
Drumstick
2007
Holz
38,3 x 2 cm
L. B.
Sein erstes Tarot-Set bekam Sven Schlebes mit
13 Jahren geschenkt. Schnell bildete es zusammen
mit dem Interesse für Mystik, Magie und alten
Kulturen einen Gegenpol zum allzu faden
Schulalltag. Zu Beginn der Studienzeit wurde das
Set in eine Bücherkiste verbannt. Von nun an sollte
die ganze Aufmerksamkeit der Wissenschaft gelten.
Nach anfänglich engagiertem Studium kam jedoch
bald die Ernüchterung: Die Geisteswissenschaften -
Sven Schlebes studierte Kulturwissenschaften,
Geschichte und Politik - schienen aufgrund von
Drittmittelkürzungen keine rosige Zukunft zu
haben, die drohende Arbeitslosigkeit wurde zum
ständigen Mahnmal, düstere Zukunftsgedanken
bestimmten das Leben des Leihgebers. Als er
auf dem Send bei einer Wahrsagerin ein Tarot-
Set entdeckte, griff er zu und wurde sofort
wieder davon angesteckt. Das Tarot entwickelte
sich rasch wieder zum guten Freund und
Begleiter und half dabei, die anstehenden
Probleme zu meistern.
Tarot-Set
um 2000
Pappe
12 x 7,6 x 2 cm
J. D.
Eiserne Treue
Zum Einzug in die erste Wohngemeinschaft lieh sich Christian Ewerling bei seinem Vermieter diese Zange. Er gab sie nicht zurück und sie blieb ihm treu. Die Zange überstand zwei weitere WG’s und mehrere Umzüge bis ins selbst gebaute Eigenheim. Dies jedoch im Unterschied zu Christian Ewerlings Mitbewohnern: „In der WG musste ich bereits nach acht Wochen das Zimmer neu vermieten, mein Nachbar brach das Studium direkt ab. Und meine Frau hat es in unserem Haus, anders als die Zange, auch nicht lange ausgehalten.“
Zange
ca. 1980 Metall, Plastik
18 x 6 x 1 cm
J. O.
Krims-Krams
Diese Dose begleitet Christine Aka seit ihrem ersten Schultag. Ursprünglich diente das Behältnis für Anspitz-Abfälle für Bleistifte. Im Laufe des beruf- lichen Werdegangs als Studentin, Doktorantin, Privatdozentin, Ausstellungsmacherin und Autorin erfuhr auch die Dose eine neue Funktion: Heute dient sie als Aufbewahrungsort für Radiergummis, Heft- klammern, Stempel, Anspitzer, Nägel, Streichholz- schachteln, Reißzwecken und sonstigen Krims-Krams und hat neben dem obligatorischen Computer einen festen Platz auf ihrem Schreibtisch.
(Tee?) - Dose
Anfang 1960er Jahre
Metall (Dose); Kunststoff, Metall, Pappe
(Inhalt) 13,5 x 11 x 11 cm
L. B.
Advent, Advent: die WG brennt
Kaninchen in Estragonsauce: Rita Weißenberg möchte am ersten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1980 mit ihren Mitbewohnern die Festtage bei einem gemütlichen Fernsehabend im Gemeinschaftszimmer ihrer Sendener WG ausklingen lassen. Bevor es jedoch so richtig heimelig wird, sitzt die fröhliche Gesellschaft plötzlich im Dunkeln – eine Sicherung ist herausgeflogen. Kurz darauf vernehmen die ersten Mitbewohner einen beißenden Rauchgeruch, der aus dem Zimmer der Leihgeberin kommt. Lodernde Flammen schlagen der Gruppe entgegen, die Fenster sind durch die Hitze bereits zerborsten. Ursache des Brandes war vermutlich eine brennende Schreibtisch- lampe, die in den Papierkorb gefallen ist und ihn so erzündet hat. Schnell werden die Kochtöpfe des Weihnachtsmahls geleert und mit Wasser gefüllt. Das Feuer wird gelöscht, das Zimmer ist jedoch komplett ausgebrannt. Wie durch ein Wunder hat die fast fertig getippte Examensarbeit das Inferno unbeschadet überstanden. Bis heute hat Rita Weißenberg diese verkokelten Briefe aufbewahrt, die sie an die feurige Weihnachtsnacht erinnern.
Brief-Konvolut
1970er Jahre
Papier 4 x 24 x 14,5cm
A. B.
Bierdeckel-Seminar
Im Laufe eines Studiums hat wahrscheinlich jede/r Studierende nach einer kurzen Eingewöhnungsphase eine Stammkneipe für sich und seine Freunde gefunden, um dort bestandene Klausuren zu feiern oder einfach nur einen gemütlichen Abend zu verbringen. Auch Andreas aus Moers, der sich 2006 im Alter von 20 Jahren an der Universität für Kulturanthropologie und Romanistik einschrieb, hat seine ganz persönliche Gastwirtschaft entdeckt. Dort trifft er sich regelmäßig mit seinen Freunden, um ein oder zwei Bierchen zu trinken und über den Uni-Alltag zu plaudern. Die obligatorisch bei jeder Bestellung verteilten Bierdeckel weisen dabei eine Besonderheit auf: Auf der Rückseite befinden sich knifflige Rätsel, die mit einem Kugelschreiber und viel Nachdenken lösbar sind. So verbrachte Andreas schon zahlreiche Abende bei Kerzenschein und Getränken damit, die Denksportaufgaben zu knacken. Doch kann das spätabendliche Bierdeckel-Seminar wirklich die Vorlesung am nächsten Morgen ersetzen? Credit-Points gibt es dafür jedenfalls nicht.
Bierdeckel
2007
Pappe
9,3 x 9,3 cm
I. H.
Bild der Sehnsucht
Das Bild entstand in Mohammeds Zimmer Nr. 429 im Studentenwohnheim Gescherweg. Es versinnbildlicht die Erinnerungen an seinen Geburtsort, die marokka- nische Hafenstadt Tanger. Jedesmal, wenn er das Bild betrachtet, bekommt er Heimweh. Zugleich war es aber auch Teil seiner Bewerbungsmappe für die Kunstakadamie in Münster. Malen ist seit seiner Kindheit Mohammeds Hobby und war auch eines seiner Abiturfächer. Trotzdem wurde er bereits zweimal von der Akademie abgelehnt.Trotz dieser Entäuschung möchte Mohammed die Hafenansicht für weitere Bewerbungen verwenden. Mit dieser Ausstellung bietet sich für ihn die Gelegenheit, das Bild der Öffentlichkeit zu präsentieren, nachdem es jahrelang zusammen mit anderen Werken in einer Mappe verborgen war.
Gemälde “Hafenansicht von Tanger”
2005
Papier, Aquarellfarben
38 x 50 cm
A. S.
Glücksspiel
Bücher auszuleihen war nicht immer so einfach wie heutzutage. Das so genannte Lochkarten-EDV-System „Mausy“ brachte Maria Perrefort wie so viele andere Studierende in den 80er Jahren fortwährend an den Rand der Verzweiflung. Zunächst musste in einen Leihschein sorgfältig mit Bleistift die Signatur des Buches eingetragen werden. Die Scheine wurden an einem Publikumsschalter gesammelt und anschließend in größeren Mengen in den Schacht eines mehrere Kubikmeter großen Computers gegeben. So weit das Technische. Doch vor allem anderen dürfte wohl der Augenblick der Bücherentgegennahme im Gedächtnis haften geblieben sein. Dieser Moment ließ nämlich häufig ein Gefühl der Frustration aufkommen: War die Karte nicht penibel, bis aufs kleinste Detail, korrekt ausgefüllt oder hatte der Computer einen seiner gefürchteten Lesefehler, hielt man ein völlig anderes Buch als das gewünschte in den Händen. Die Bücherausleihe glich deshalb unter der Regie von „Mausy“, so Maria Perrefort, mitunter eher einem Lotterieverfahren.
UB-Leihkarte
1980er Jahre
Pappe
6,6 x 8,2 cm
A.-C. B.
Ein Stück Heimat
Dieses Trikot von Borussia Mönchengladbach aus der Saison 1996/97 diente Oliver Tappe als Verbindung zu seiner Herkunftsregion: „Der Werbeaufdruck repräsentiert ebenfalls meine niederrheinische Heimat.“ Dezent unter einem Hemd versteckt trug das Trikot darüber hinaus als Talisman zum Gelingen der Magisterprüfungen bei. Als einen netten Neben- effekt bezeichnet der Leihgeber die verbindenden Eigenschaften des Kleidungsstücks: „Im Münster- länder Exil fand man auf den Bolzplätzen schnell Gleichgesinnte mit ähnlichen Leibchen“. Aus den damals entstandenen Fahrgemeinschaften zum Borussen-Stadion sind einige Freundschaften hervorgegangen. Obwohl die Gruppe jetzt in ganz Deutschland verstreut ist, trifft sie sich gelegentlich zu einem gemeinsamen Spielbesuch ihres Lieblings- vereins in Block 16 des Mönchengladbacher Borussia- Parks (Unterrang, hintere Reihe), immer willkommener Anlass für „Lebens-Updates und ein klein wenig Münster-Nostalgie.“
Trikot
1996
Textil
68,5 x 78
A. S.
„Teppileptische“ Anfälle
Während seiner Ausbildung zum Anästhesisten am Universitäts-Klinikum in Münster hat Dr. Christian Hönemann im Zentral-OP auf der Ebene 03 gearbeitet und musste von der dortigen Intensivstation, aus dem OP und dem Aufwachraum Transporte in die Abteilungen Computer-Tomografie, Herzkatheter und in die Notaufnahmen durchführen. Ausgelegt war dieser Weg mit einem Teppichboden aus schwarzen, hellgrünen, dunkelgrünen und blauen Streifen. Dieses aufdringliche Muster ist laut Hönemann gesundheitsschädlich und kann sogar zu Krampfanfällen führen:„Ich habe aus Spaß immer gesagt, je schneller ich fahre, je eher falle ich hier um und bekomme einen epileptischen Anfall.“ Der Leihgeber blieb davon jedoch glücklicher Weise verschont. Ein Stück des Teppichs hinter Glas dient ihm als Erinnerung an seine Ausbildungszeit.
Teppichbodenstück
1980-2002
Textil
53 x 62 x 5 cm
J. O.
Beginn einer langen Freundschaft
Die Tasse stammt aus der Mensa am Bispinghof. Man bekommt sie dort leihweise zu einem warmen Trunk. Doch einige Studenten der Universität Münster verbinden damit weitaus mehr als nur ein banales Gefäß für ein Heißgetränk – so auch Ina, Edda, Sarah und Saskia, die sich zum ersten Mal nach einer Einführungsveranstaltung zusammenfanden, um in der Mensa schnell einen Kaffee zu trinken. Nachdem jede von ihnen am Ende des netten Plausches eine Pfandtasse mitgehen ließ, beschloss das sich frisch gefundene Gespann, sich fortan regelmäßig zu treffen. Seither besteht das Ritual des gemeinsamen Kaffees, wenn es wieder einmal heißt, neue Pläne zu schmieden.
Tasse
2006
Feldspatporzellan
9 x 9 cm
I. H.
Wegbegleiter
Der Taschenrechner ist bereits seit 25 Jahren in Besitz des Steuerberaters und Wirtschaftsprüfers Dr. Michael Kaufmann, der ihn zum Beginn seines BWL-Studiums angeschafft hatte. Unzählige Klausuren, den Universitätsabschluss, die Promotion sowie das Steuerberaterexamen und die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer hat der Rechen- automat begleitet. Aufgrund dieser wichtigen Funktion hat sein Besitzer schon frühzeitig einen kleinen grünen Zettel auf der Rückseite des Taschenrechners angebracht, auf dem seine jeweils aktuelle Adresse und Telefonnummer verzeichnet waren. Nach mittlerweile sieben Umzügen hat sich der Zettel bereits gelöst, die Schutzhülle ist zerrissen und auch die Gehäuse- schrauben sind verloren, so dass nunmehr ein Klebeband den Apparat zusammenhält. Dennoch ist der Taschenrechner noch heute ein täglicher Begleiter von Dr. Michael Kaufmann, mit dem er darüber hinaus schöne Erinnerungen an sein Studium an der Westfälischen Wilhelms- Universität verbindet.
Taschenrechner (Sharp Scientific Calculator EL-512)
vermutlich 1983
Kunststoff, Metall 1
3 x 7 x 1 cm
A. B.
Glücksbringer
Christian Mehler hat in Münster Kunstgeschichte, Angewandte Kulturwissenschaften und VWL studiert. Der Schlüsselanhänger mit Radiergummi, Pinsel und Lampe ist ein selbst gebasteltes Erinnerungsstück an seine Studienzeit. Vor Jahren hat er bereits ähnliche Exemplare der Figur für den Eigenbedarf hergestellt und sie seitdem als Glücksbringer in der Hosentasche mit sich getragen. Der Talisman wurde so „in Prü- fungen der Universität und des Lebens mit mehr und auch weniger großer Erfolgswirkung eingesetzt.“ Die Wahl eines Schlüsselanhängers ist dabei kein Zufall, „da“, so Mehler, „nicht nur bei Lehrveran- staltungs-Prüfungen schwere Schlösser aufzu- schließen sind.“ Die Kleinplastik in Chromosomen- form soll zugleich die konkrete Person des Leih- gebers im Maßstab 1:30 versinnbildlichen; er möchte dadurch symbolisch an der Ausstellung teilnehmen. Zur adäquaten Präsentation seines Talismans hat Christian Mehler eine aus Filz, Kreide Schnüren und Nägeln bestehende Schaufläche mitgeliefert.
Talisman
2008
6,5 x 4 x 4 cm
PVC, Metall, Holz, Borsten, Gummi, Farbe
J. O.
Verirrung oder Verwirrung?
Eigentlich ist Münster eine recht übersichtliche Stadt, in der man sich, trotz mangelnder Kennt- nisse ihrer Infrastruktur, dank der ringförmig um den Stadtkern angelegten Promenade leicht zurechtfinden kann. Trotzdem schafft es der 24-jährige Sportstudent Stefan immer wieder, den Weg nach Hause nicht zu finden. Jedes Mal, wenn er zur Warendorfer Straße möchte, nimmt er die Abzweigung in die Wolbecker Straße, was ihn des Öfteren schon an seinem Verstand zweifeln ließ. Aber das soll nun ein Ende haben: Dank des alten, wieder herausgekramten Stadt- plans, den er sich vor zwei Jahren als Erst- semester auf der Wohnungssuche zugelegt hatte. Wir wünschen viel Erfolg!
Falk-Stadtplan Münster
2006
Pappe, Papier
21 x 11 x 1 cm (zusammengefaltet)
I. H.
Abschiedsgeschenk
Dr. Christian Ringe hat von 1994 bis 2000 in Münster studiert und sein Studium überwiegend in einem Wohnheim verbracht: „Diese Zeit wird mir immer in sehr guter Erinnerung bleiben, weil meine Mitbewohner/-innen und ich damals viel Spaß miteinander hatten und ich dort einige noch heute bestehenden Freundschaften knüpfen konnte.“ Einer der Lieblingsbeschäftigungen der WG war der extensive kollektive Fernsehkonsum. Bevorzugt wurden dabei „Trash-Sendungen“ wie die „Tele- tubbies“, laut Ringe „ein an Debilität kaum zu übertreffendes Fernsehprogramm für Kleinkinder.“ Das ausgestellte Exponat spielt in dieser Serie eine wichtige Rolle. Es ist „Noo-Noo“, ein Staubsauger, der gelegentlich die Spielzeuge der Teletubbies einsaugt, was diese regelmäßig mit dem Ausruf „Frecher Noo-Noo!“ quittieren. „Man sieht“, so Ringe, „dass diese Serie eher etwas für schlichte Gemüter ist. Also für uns damalige Studenten genau der richtige Ausgleich zum intellektuell fordernden Uni-Alltag. Den ausgestellten Spielzeug-„Noo-Noo“ habe ich von meinen Mitbewohner/innen anlässlich anlässlich meiner letzen Geburtstagsfeier im Dezember 1999 bekommen. Ich verbinde mit ihm sentimentale Erinnerungen an eine sehr schöne Party und an fünf wunderschöne Jahre, die mich auch in der Persönlichkeitsentwicklung weitergebracht haben.“
Spielzeug „Noo Noo“
um 1999
Kunststoff, Metall
10 x 7 x 12 cm
M. E. G.
Typisch Münsteranisch
Im Herbst 1975 begann Walter Felling das Studium der Rechtswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität. Durch Zufall wurde er auf eine Sportart aufmerksam, die hauptsächlich nur in Münster betrieben wird: Speckbrett. Gespielt wird mit einem mit zahlreichen Löchern versehenen Holzbrettschläger und einem Tennisball auf Asche- oder Asphaltplätzen, die eine etwas kleinere Abmessung als Tennisplätze besitzen. Die Zählweise ist an das Tischtennis angelehnt. Diese Sport- und Freizeitgestaltung war für Walter Felling eine willkommene Abwechslung zum Studienalltag. Der Speckbrettschläger ist – neben dem Studienbuch – wohl der einzige verbliebene Gegenstand aus jener Zeit: „Ich verbinde damit auch die Gedanken an eine schöne, mit wenig Sorgen verbundene Studienzeit, die mir andererseits die Verwirklichung meines Lebenswunsches, als Rechtsanwalt tätig werden zu können, ermöglicht hat.“
Speckbrettschläger
Mitte 1970er Jahre
Holz, Kunststoff, Leder
50,2 x 18 x 3,2 cm
L. B.
Regen-Lampen-Schirm
Wie weitläufig bekannt ist, regnet es in Münster zuhauf. Dies ist auch der Grund dafür, dass Inga, 23 Jahre und Germanistik-Studentin im fünften Fachsemester, Regenschirme en masse besitzt. Doch nicht allein der starke Niederschlag ist Schuld daran: Auch die chronische Krankheit des Verlegens von Gegenständen trägt ihren Teil dazu bei. Da einige Regenschirme nach und nach dann doch aus ihren Verstecken auftauchten, funktionierte sie dieses wundervolle, mit Herzen übersäte Exemplar zu einem Lampenschirm um, da er wegen seiner milchigen Lichtdurchlässigkeit ihr WG-Zimmer in warmes Licht taucht.
Regenschirm
2006
Kunststoff, Metall
54 x 90 cm (ausgeklappt)
I. H.
Flurturnier
Der Pokal ist die Auszeichnung für ein Fußball- turnier, das 1989 unter den Fluren des Studenten- wohnheims Albertus-Magnus-Kolleg (AKM) am Horstmarer Landweg ausgetragen wurde. Es traten je acht Mannschaften gegeneinander an, um die Siegerprämie für ihren Korridor zu sichern. Auf- grund der überragenden Leistung des 250er-Flur- Teams fand der Pokal einen Ehrenplatz in der Gemeinschaftsküche dieser Erfolgstruppe. Seitdem hat der Pokal bereits drei Umzüge und verschiedene Aufbewahrungsorte in Abstell- und Rumpelkammern überlebt und steht nun in einem Bücherregal des Leihgebers Dr. Markus Köster – heute Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen –, wo er ihn an seine Studienzeit im AMK erinnert. Für ihn war das von den Studierenden selbst verwaltete Wohn- heim „ein Stück Heimat“, aus der viele bleibende Kontakte und Freundschaften auch über die Grenzen Deutschlands hinaus erwachsen sind.
Pokal
1989
Metall
29 x 6 x 6 cm
A. B.
Tierische Ablenkung
In den ersten Semestern ihres Studiums in Münster hat Sarah viel Zeit mit der Beobachtung der großen Menschenaffen im Zoo verbracht. Insbesondere in die Orang-Utan-Gruppe hat sie sich verliebt. Deren Intelligenz, ihre Beziehungen zueinander und nicht zuletzt ihr Sinn für Humor haben ihr viele Stunden bester Unterhaltung geschenkt. Als dann auch noch am zweiten Weihnachtstag 2006 ein Orang-Utan- Junge zur Welt kam, waren mindestens drei Besuche pro Woche nötig, um den Anblick und die Entwicklung des Babys ausgiebig studieren zu können. Also hat sie ihre Bücher und Lernkarten in den Zoo geschleppt, es sich auf den Holzspänen vor der großen Glassscheibe der Orang-Utan-Anlage bequem gemacht und sich so vom Uni-Alltag ablenken lassen. All das hat ihr der Besitz einer Zoo-Jahreskarte ermöglicht. Eine für sie gewinnbringende Investition!
Foto “Orang-Utan mit Baby”
2007
Fotopapier
30,3 x 40,5 cm
A. S.
Verlängerter Dienst Diese Schuhe hat der Leihgeber während seines Grundwehrdienstes in der Bundeswehr zugeteilt bekommen. Zurück im zivilen Leben benutzte er sie während seines Studiums, um am Aasee zu joggen. Erst nachdem er dieses beendet hatte, konnte er es sich leisten, neue Laufschuhe in einem Fachgeschäft zu erwerben. Der Verkäufer stellte jedoch schockiert fest, dass das Material der alten Schuhe seit 15 Jahren nicht mehr produziert wird. Die ausgedienten alten Schuhe hat der Leihgeber bis heute aufbewahrt; sie sind für ihn eine Erinnerung an seine Studentenzeit, die für ihn von großer Sparsamkeit geprägt war. Sportschuhe “BW 295” 1990er Jahre Kunststoff, Textil 13 x 10 x 32 cm A. S.
Absturz kurz vorm Ziel
Diesen Laptop bekam Sven Schlebes zu Beginn seiner Magisterarbeitsphase von seinem Vater geschenkt. Er sollte ein treuer Begleiter werden, in fernen Archiven, auf langen Zugfahrten, am heimischen Schreibtisch und auf den Wiesen des Aasees. Dies hinterließ sichtbare Spuren an dem Gerät: Die Farbe blätterte vom Gehäuse ab, das Gebläse wurde immer schwächer und die Laufwerke gaben der Reihe nach ihren Geist auf. Zuletzt startete der Laptop überhaupt nicht mehr. In letzter Sekunde konnten die Fragmente der Magisterarbeit zum Thema „Wirklichkeitswahr- nehmungen von Studentinnen an den Universitäten um 1900“ noch extern gesichert werden. Das defekte Gerät speicherte fortan anstelle von Daten die Erinnerung an diesen für Sven Schlebes schwierigen Studienabschnitt. In der Ausstellung findet der Laptop seine letzte Ruhestätte: Danach soll er auf Wunsch des Leihgebers entsorgt werden.
Laptop (Gericom Overdose Polo MSW)
2000
Metall, Kunststoff
5 x 28 x 23 cm
J. D.
Langeweile?
Zahlreiche Vorlesungen und Seminare an der WWU haben den Leihgeber dazu inspiriert, “alternative” Notizen anzufertigen. Hierzu hat er 30 kleine Skizzen aus seinen Mitschriften herausgeschnitten und auf Fotokarton geklebt. Oft werden Dozenten oder Inhalte ihrer Veranstaltungen als Thema gewählt. Zusätze wie “Psst...” und “Wie lange noch?” spiegeln die jeweilige Gemütsverfassung des Verfassers während dieser Veranstaltungen wider. Er möchte aber ausdrücklich betonen, dass weder eine womöglich mangelnde Qualität der Vorträge noch ein persönliches Desinteresse an den behandelten Themen die Motive für das zu Papier bringen dieser Momentaufnahmen waren.
Karikaturen
2008
Karton, Papier, Bleistift, Tinte
78,5 x 45 cm
A. S.
Schläger statt Steuerrecht
Philipp Mertens begann im Wintersemester 2001/02 sein Jurastudium in Münster. Schnell bekam er dortdas Programmheft des Hochschulsports in die Hand: „Dabei bin ich auf Unihockey gestoßen.“ Der Namehat nichts mit der Universität zu tun, sondern bedeutet Universal-Hockey und ist eine Mischung aus Feldhockey, Eishockey und Bandy, das besonders in Skandinavien gespielt wird. In Deutschland noch wenig verbreitet ist diese Sportart unter dem Namen Floorball in mehreren Ländern absoluter Volkssport. Auch Phillip Mertens wurde von ihr infiziert: „In der Folgezeit sollte der kleine weiße Lochball mein Leben deutlich verändern.“ So war er u.a. Mitbegründer des UHC Münster e.V. und übernahm später den Vorsitz des Nordrhein- Westfälischen Unihockey-Verbandes. „Mein erster Unihockeyschläger war ein Spontankauf auf einem Turnier. Heute bin ich Mitinhaber eines Handels für ebendiese Schläger. Und auch das Studium wurde insoweit beeinflusst, dass ich kurzerhand von der Idee Abstand genommen habe, mich auf das Steuerrecht zu spezialisieren und mich stattdessen dem Vereins- und Verbandsrecht zugewandt habe.“ Nicht zuletzt lernte er seine Liebe beim Unihockey-Betriebssport der LBS kennen.
Unihockeyschäger
2001
Kunststoff, Leder
113 x 23 x 3,5 cm
Hockeyball
2001
Kunststoff
Durchmesser 7 cm
L. B.
Ersehnter Freund
Julian Krumsdorf fühlt sich mit der orientalischen Kultur verbunden. Sein sehnlichster Wunsch ist es, einen arabischen Freund kennen zu lernen. Als Sinnbild dieser Suche kleidet sich der Diplom-Mathematiker in orientalisch anmutende Gewänder, in denen er regelmäßig in Münster anzutreffen ist. Auf dem Rücken sind arabische und griechische Buchstaben aufgestickt, welche die erhoffte Vereinigung symbolisieren sollen. Die Suche nach dem ersehnten Freund verlief bislang jedoch erfolglos. Für seinen Träger ist das Gewand deshalb ein Erinnerungsstück an eine unglückliche, da nicht erwiderte Liebe.
Gewand
2002
Textil
60 x 40 cm
M. E. G.
Mundraub
Das mittlerweile abgerissene Studentenwohnheim Hamannstift am Buddenturm war weit über die Grenzen der Promenade für seine rauschenden Hausfeste bekannt. Unter der Leitung des eigens für diese Anlässe ernannten „Studieninspektors“ wurde von den jeweiligen Fluren alles von der Musik bis über die Verköstigung der Gäste in Eigenregie organisiert. Das Geschirr und Besteck jedes einzelnen Hausbewohners wurde zu diesem Zweck zusammengekratzt. Auch Ragnar Kopka, der in den 90er Jahren sein Zimmer im Hamann- stift hatte, steuerte auf diese Art und Weise seinen Anteil zur Party bei. Der wohl nicht geringe Alkoholpegel der Partygäste führte jedoch dazu, dass er sein Besteck nie wieder sehen sollte. Angesichts dieser Notlage ging er in die Gegen- offensive über und „borgte“ sich auf unbestimmte Zeit eine Gabel aus dem Besitz des Wohnheims. Dieses Erinnerungsstück ist ihm seitdem stets ein treuer Begleiter auf all seinen Umzügen geblieben.
Gabel
ca. 1950er Jahre
Metall
2,3 x 2,7 x 21,3 cm
A.-C. B.
Ein Haus schreibt Geschichte
Die Frauenstraße 24 wurde 1973 mit dem Ziel, innerstädtischen und bezahlbaren Wohnraum für die Studenten zu sichern, besetzt. Neben anderen Wohnbauten sollte auch dieses Haus abgerissen werden. Bernd Uppena, seit 1974 Mitbewohner und Haussprecher, bekam zu seinem Auszug 1981 von seinen Mitstreitern zwei Bilderrahmen mit Erinnerungsfotos an die bewegten Widerstandsjahre seiner Studienzeit geschenkt. Die Bilder erhielten einen Ehrenplatz in seiner nächsten Wohnung in Recklinghausen. Durch die phantasievollen und kreativen Aktionen der politisch engagierten Besetzer, wie etwa das Verhüllen des Hauses, das Einschmuggeln einer Delegation in den offiziellen Karnevalsumzug oder „Tage der offenen Tür“ konnte eine breite Bevölkerungsschicht über den universitären Raum hinaus erreicht werden. Die Unterstützung des Kampfes durch ein Bündnis verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen konnte schließlich 1981 den Erhalt des Hauses sichern. Noch heute lohnt sich ein Besuch der Gastronomie „Frauenstraße 24“. So ist ein Ölgemälde des Mitbewohners und Künstlers Gerd Meyerradken zu besichtigen, auf dem er seine Mitstreiter zur Zeit der Hausbesetzung verewigt hat. Zum Sammeln von Spenden zur Finanzierung von Aktionen und Prozessen lag in der Gaststätte die Postkarte mit dem Gemälde aus.
Bilderrahmen
1981
Holz, Glas, Papier
43 x 52,5 x 2 cm
I. H.
Kulturelles Missverständnis Diese elektronisch betriebene „Bon-appetit“- Espressomaschine bekam Bertolt Gießmann im zweiten Semester seines Magister-Studiums von seinem Vater geschenkt. Schnell avancierte sie zum treuen Begleiter. Selbst extensiver Einsatz während Klausurvorbereitungen meisterte sie zuverlässig und mühelos. So erkämpfte sie sich einen festen Platz im Herzen der WG. Erst ein italienischer Erasmus-Student führte das vermeintliche Desaster herbei: Den in Italien üblichen Gebrauch der dreiteiligen Siebdruck- Espressomaschine für Herdplatten im Hinterkopf stellte er auch diese Kanne auf die erhitzte Platte und nicht auf die dafür vorgesehene elektronische Station. Dieses Missverständnis hatte geschmolzenes Plastik, eine verklebte Herdplatte und einen üblen Gestank zur Folge. Doch wie durch ein Wunder überlebte die Maschine: Sie funktioniert bis heute.
Elektrische Espresso-Kanne „Bon-appetit“
um 2005 Metall, Kunststoff
24 x 17 x 10 cm
J. D.
Spontanes Grillfest
An einem unverhofft sonnigen Junitag überkamen den Studenten Timo und einige seiner Freunde der spontane Wunsch nach einer leckeren Grill- wurst. Da sie sich jedoch schon im erholsamen Grün der Stadt befanden, hatte niemand die Lust, noch einmal nach Hause zu radeln, um die nötigen Grillutensilien zu holen. So wurde die nächste Tankstelle aufgesucht und dieser preisgünstige Einweggrill samt Wurst und obligatorischem Bier- vorrat organisiert. Der überaus gesellige Abend im Südpark endete erst im Morgengrauen. Auf dem Heimweg wurde der ausgediente Grill auf der Suche nach einem Mülleimer auf den Gepäckträger ge- schnallt und dort auch prompt vergessen. So fand er schließlich seinen Weg in diese Ausstellung, wo er als Erinnerung an einen denkwürdigen Sommerabend steht.
Einweggrill
2008
Metall, Kunststoff, Kohle
7 x 30 x 24,5 cm
J. D.
Studieren in Münster - Ein "Musée Sentimental"
