Echo-Muenster
Victoria Oberkoch mit einem Exponat. Foto: Wolfgang Halberscheidt, Echo Münster.
Der klapprige Wecker, der ausgerechnet am Prüfungstag versagte. Oder die Kaffeetasse, die den Examenskandidaten bis in die tiefe Nacht hinein beim Büffeln begleitete. Oder das Ticket für jenes Rockkonzert, auf dem man der Herzensdame begegnete. Oder oder oder: Da gibt’s tausend Dinge, die den eigenen, längst vergangenen Uni-Aufenthalt exemplarisch dokumentieren.
Sie alle – schön ordentlich in Schaukästen präsentiert – erhalten vom 7. Oktober bis 4. November im Foyer des Fürstenberghauses einen Ehrenplatz. Initiiert wird das Projekt unter der Regie von Dr. Martin Wörner vom Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie, Fachrichtung Kultur- und Sozialanthropologie.
Loslösung von den Eltern
„Die Phase vom ersten bis letzten Semester“, argumentiert Victoria Oberkoch, 21, aus dem Organisationsteam, „nimmt in der persönlichen Biografie einen bedeutenden Rang ein: Loslösung vom Elternhaus, Kennenlernen neuer Bezugspersonen, Konfrontation mit Berufanforderungen“ – ein Lebensabschnitt kurzum, der aufgrund seiner prägenden Sozialisation niemals in Vergessenheit gerät.
Mit der Ausstellung will man daher einen „subjektiven Zugang“ zum Thema „Studieren in Münster“ ermöglichen. Als inhaltliche Klammer hierfür dient das Konzept des „musee sentimental“ – einst entwickelt von dem Schweizer Künstler Daniel Spoerri. Im Mittelpunkt einer Schau stehen dabei scheinbar alltägliche Dinge – anhand beigefügter Erklärungen werden sie quasi „zum Sprechen gebracht“, erfahren insofern eine gefühlsmäßige Variante.
Lieblings-Stücke
Denn das erbitten die Veranstalter auch: kleine, individuelle Anekdoten, warum die freigegebenen Gegenstände einst zu „Lieblings-Stücken“ avancierten. So wünscht man sich originelle, witzige, vielleicht auch konfliktbeladene Geschichten, mit denen der Zeitsprung in die eigene Vergangenheit gelingt.
Die ersten Beiträge, sie liegen bereits vor. Werner Wiesmann etwa hatte sich als junger Studiosus einen VW-Käfer aus den Fünfzigern gekauft – für 200 Euro. Da ihm der Wagen wertvolle Dienste leistete, stellte er ihn irgendwann in einer Scheune unter, holte das Auto dann nach 25 Jahren dort wieder hervor, restaurierte es – und meldete den Oldtimer erneut an. „An der Frontscheibe“, notiert Wiesmann im Text, „trägt er noch die Parkplakette des Instituts für Sportmedizin, wo ich seinerzeit studentische Hilfskraft war.“ Das frühere Zubehör, es dient nun als Kulisse für die Reihe.
Hausgeist störte sich am Geklacker
Eine ebenfalls nette Story plus zugehörigem alten Schätzchen steuert Prof. Dr. Guido Sprenger bei: Ende 1999 jettete er für Feldforschungen nach Laos. In weiser Voraussicht, dass es ihn in ein Dorf ohne Strom und PC-Anschluss verschlagen sollte, kaufte sich der Wissenschaftler eine Schreibmaschine, packte sie ins Reisegepäck. Seine Aufzeichnungen passierten beim Licht einer winzigen Öllampe, „die aus einer Getränkeflasche, einem korkartigen Pflanzenteil, einer alten Radioantenne und einem Lumpenstreifen bestand. Im übrigen“, heißt es bei Sprenger weiter, „bedeutete mir mein Gastvater, dies sei ein Zeichen für das Aufgeben von Traditionen – früher hätte sich der Hausgeist an dem Geklacker gestört, heute mache das nichts mehr aus.“
Wer den Beispielen von Wiesmann/Sprenger folgen möchte: Leser, die bereit sind, aus dem persönlichen Fundus geeignete Erinnerungsstücke zur Verfügung zu stellen, sollten sich bis zum 5. Juli bei Dozent Wörner melden. Die Kontaktdaten: Tel. (0251) 33651 oder E-Mail: woerner@expos.westfalen.de.
Ach ja: „Hochwertige Exponate“, fügt Oberkoch ergänzend hinzu, „sind geschützt. Wir lassen sie vorher extra versichern.“
Na dann – gutes Gelingen.
Wolfgang Halberscheid
Abrufbar unter: http://www.echo-muenster.de/node/33846
Studieren in Münster - Ein "Musée Sentimental"

